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Katja Dörner

Dörner

Katja Dörner (Grüne Bundestagsabgeordnete für Bonn, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende)

Bonn nennt sich auch fair trade town und Stadt der Nachhaltigkeit. Ist Bonn bereits eine nachhaltige Stadt?

Seit dem 5. November 2010 ist Bonn bundesweit die 27. Kommune, die den Titel "Fair-Trade-Town" tragen darf. Die Stadt tritt für ein verändertes Verhalten von Bevölkerung und Handeltreibenden ein. Damit will sie selbst Vorbild bei den eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten sein. Das finde ich richtig. Mein Eindruck ist, dass immer mehr Menschen faire Produkte kaufen wollen. Vor allem, wenn es um Produkte des globalen Südens geht: Kaffee, Kakao oder ein neues T-Shirt. Die geplante Ansiedlung eines neuen Textil-Discounters in der Bonner Innenstadt ist in diesem Zusammenhang das völlig falsche Signal. Gut ist, dass die Stadt bei der Beschaffung von Arbeitskleidung der städtischen Bediensteten neue Wege geht und faire Produkte kauft. Auch werden 10% der Verpflegung in städtischen Kitas, Schulen und Altenheimen zukünftig in Bio-Qualität angeboten, mit der Absicht dies weiter zu steigern. Beides ist ein guter Anfang.
Der aktuelle Beschluss des Rates, Bio-Stadt zu werden, ist richtig. Mit dem Kauf von E-Autos und Lastenfahrzeugen fördert die Stadt die Elektromobilität. Die Faire Woche vom 13. bis zum 27. September bietet wieder die Möglichkeit, mit Akteuren ins Gespräch zu kommen. Dies aber reicht alles noch nicht aus, eine Trendwende einzuleiten. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen, insbesondere in Feldern, an die noch zu wenig gedacht wird, wie bei IT-Produkten und dem gesamten Baubereich. Hier sollten wir den Bestand meines Erachtens besser pflegen und erhalten. Im Forschungsbereich und im universitären Bereich sehe ich die Stadt dagegen - auch mit Blick auf das Internationale - hervorragend aufgestellt. Dies gilt es zu sichern.

Wie versuchen Sie als Abgeordnete, möglichst nachhaltig zu arbeiten?

Ich denke, nicht anders, als wie viele andere es privat und beruflich auch praktizieren: Bei der Beschaffung von Büromaterial lege ich Wert auf ökologische und soziale Standards. Müll wird in unserem Büro getrennt. Bei Veranstaltungen und Empfängen planen wir von Anfang so, dass Müll vermieden wird. Wir setzen konsequent auf Mehrweggeschirr und vermeiden Plastik aller Art. Viele Wege zu Terminen und Transporte legen wir mit dem Fahrrad oder Lastenrad zurück. Bei Besprechungen setzen wir Video-Schalten ein, um Reisen zu vermeiden. In meinem Wahlkreisbüro in der Altstadt unterstütze ich auch lokale Initiativen wie das Lastenfahrrad-Projekt www.bolle-Bonn.de, indem mein Büro als Ausleihstation fungiert. Oder mit dem kostenfreien Abfüllen von Leitungswasser in mitgebrachte Wasserflaschen bei dem www.refill-deutschland.de-Projekt, wo wir gerade im Sommer sehr gerne mitmachen.

Sie vertreten Bonn in Berlin: Wie wird die ehemalige Hauptstadt dort wahrgenommen, welche Rolle soll die Bundesstadt zukünftig spielen?

Bonn wird als zuverlässiger Partner geschätzt. Mit den Stärken der Stadt als deutscher UN-Standort und Zentrum der Nachhaltigkeit mit dem BMZ und der GIZ wird Bonn, auch durch seine Nähe zu den europäischen Institutionen in Brüssel, immer als das angesehen, was es ist und sein sollte: ein verlässliches politisches Zentrum administrativer und politischer Kompetenz. Die hier gewachsene Struktur ist meines Wissens so in der Welt einmalig. Die Stadt sollte dieses Wissen, auch für die eigene lokale Entwicklung, viel stärker einbinden. Das Berliner "Raumschiff" weiß meines Erachtens oft gar nicht, was es an Bonn hat.

Welche Chancen sehen Sie für einen Innovations-Campus Bonn (ICB), in dem mehrere erfahrene Bonner Partner eng vernetzt arbeiten?

In der Interdisziplinarität sehe ich den Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise. So wie das Klima ein vernetztes System ist, so müssen wir auch forschen, denken, arbeiten und handeln. Die Forschungsschwerpunkte Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Mobilität und Migration sowie Bioökonomie sind zentrale Felder, auf denen sich unsere Zukunft und die unserer Kinder entscheidet.

Was wünschen Sie dem ICB für die Zukunft?

Eine wachsende Bedeutung und dass der Transfer der Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft im Dialog gelingt.

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