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Eckart von Hirschhausen

Interview mit Eckart von Hirschhausen

Ihre Stiftung HUMOR HILFT HEILEN sitzt in Bonn. Was hat Sie zum Umzug des Hauptsitzes  in die UN-Stadt bewegt?

Wo, wenn nicht im Rheinland weiß man um das segensreiche Wirken von Lachen, Singen und fröhlicher Gemeinschaft? Wir fördern in der Region viele Projekte, zum Beispiel Clownsvisiten und Workshops für Pflegekräfte an den Kinderkliniken St. Augustin, St. Marien und Vorlesungen an der Universität. Und mit Blick auf das große Beethoven-Jubiläum das Projekt „Starke Kinderstimmen – gut eingestimmt ins Leben“ für Grundschulkinder. Zudem haben wir einen DFG-Antrag laufen für die Erforschung von Humor in der letzten Lebensphase in der Palliativmedizin, eine Pionierarbeit zusammen mit Professor Radbruch. Daher lag es nahe, unseren Hauptsitz nach Bonn zu verlagern, mit einer Zweigstelle in Berlin - so wie viele Ministerien und Forschungseinrichtungen ja auch. (lacht) 

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach Nachhaltigkeit für ein gutes Leben? Wo sollte man besonders Wert auf Nachhaltigkeit legen?

Mein Herzensthema ist der Zusammenhang von Nachhaltigkeit, persönlicher Gesundheit und den Auswirkungen auf die Gesundheit von Mutter Erde. Die hat gerade hohes Fieber, und die Temperaturen steigen weiter. Sie gehört auf eine Intensivstation und die politischen Forderungen sind klar: 100% erneuerbare Energien, Fliegen muss viel teurer sein als Bahnfahren und die Umweltzerstörung muss über C02-Steuer eingepreist werden. Was vielen noch nicht so bewusst ist: ein entscheidender Hebel zur Nachhaltigkeit ist unser Essen. Wenn wir nicht mehr essen, als wir brauchen, verbrauchen wir weniger. Deshalb bin ich ja Fan der „Hirschhausen Diät“, also eine Form des Intervallfastens, weil ich dadurch ein besseres Körpergefühl bekommen habe. Es ist absurd, dass ein Drittel der Lebensmittel in Deutschland weggeworfen werden. Ich würde es begrüßen, wenn auch der ökologische Fußabdruck auf Packungen aufgedruckt würde. Eine Gemüsesuppe hat nur ein Zehntel so viele Treibhausgase wie eine Rindfleischbrühe. Das wissen viele nicht, und würden öfter Gemüse essen. Und das Verrückteste: wenn wir weniger Fleisch und weniger Zucker, dafür viel Pflanzliches essen, geht es uns UND dem Planeten am besten. Wir können mit so einer „Planetary health diet“ 10 Milliarden Menschen ernähren, und leben selber besser und länger, weil Übergewicht, Herzinfarkt und Schlaganfall verhindert werden. Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns selber! 

Was gefällt Ihnen an Bonn, und worauf können die Bonner stolz sein?

Bonn ist eine lebendige Stadt, mit tollem Kulturangebot von Kabarett bis zu Dirk Kaftan mit dem Beethoven Orchester. Mit meinem Bühnenprogramm gastiere ich inzwischen seit 20 Jahren hier, ursprünglich im Haus der Springmaus, jetzt in der Oper oder auch in der Rhein-Sieg-Halle und erlebe immer wieder ein begeisterungsfähiges Publikum. Mit meiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN arbeiten wir mit der Universitätsklinik an dem Konzept des neuen Eltern-Kind-Zentrums mit, um das Humane in der Humanmedizin zu stärken. Kurzum: wer sich engagieren möchte, findet ein offenes Ohr und Mitstreiter, von der Operngala über die Mitsingprojekte bis zum Melbbad, das ein echter Schatz der Naherholung ist. 

Ist Bonn bereits eine nachhaltige und lebenswerte Stadt?

In der Theorie mehr als in der Praxis. Hier wird so viel Schlaues beforscht und entwickelt, dass ich mir wünschen würde, mehr mutige Schritte für eine andere Form der Mobilität auch umzusetzen. Es gibt so viel Stau, weil Menschen mit sehr viel Blech um sich herum unterwegs sind, statt mit einem Fahrrad, einem elektrisch betriebenen Bus oder einer Straßenbahn. Die neuen Roller sind ein guter Start! 

Welche Chancen bieten (Forschungs-) Kooperationen in der heutigen Welt und was wünschen Sie dem Innovations-Campus Bonn (ICB) für die Zukunft?

Das größte Problem, vor dem wir als Menschheit stehen, ist die Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlage. Wir steuern mit enormer Geschwindigkeit auf eine unbewohnbare Erde zu. Die Dringlichkeit, alle unsere Intelligenz, unser Geld und unsere Kreativität dieser Aufgabe zu widmen ist noch längst nicht in allen Köpfen, Herzen und Disziplinen angekommen. Dabei sind die großen Hebel bekannt: erneuerbare Energien sofort weiter ausbauen, Kohle in der Erde lassen, Konsum und Flüge reduzieren, Häuser so bauen, dass sie Energie gewinnen statt verlieren und und und. Warum wir so wenig von dem Wissen umsetzen ist eine Frage der Psychologie, die selten dazu befragt wird. Deshalb wünsche ich mir, dass es mehr Austausch gibt zwischen den Forschungsgebieten, zwischen Gesundheits-, Landwirtschafts- und Umweltministerium, zwischen Grundlagenforschung und Anwendern, zwischen Gesellschaft und Politik. Dafür bietet der Innovations-Campus Bonn viele Möglichkeiten. Als ich kürzlich eine Vorlesung für die Medizinstudierenden zum Thema Klimawandel und Gesundheit hielt, entstand die Idee eine Ringvorlesung zu starten: „Welt retten mit Ideen aus Bonn“ – also think globally, learn, act and live locally!

 

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